Bild Siloah Medizinisches Versorgungszentrum, Header, Klinikgebäude
Javascript ist deaktiviert. Dadurch ist die Funktionalität der Website stark eingeschränkt.

Zentrum für Onkologie Pforzheim

Systemische Therapieformen

Was ist eine Chemotherapie?

Bei einer Chemotherapie setzen wir Medikamente (Zytostatika) ein, die bösartige Zellen abtöten sollen, indem sie die Zellteilung hemmen. Es handelt sich hierbei um Substanzen, die chemisch hergestellt werden, aber auch um in der Natur vorkommende Substanzen, die uns mit leichten Strukturveränderungen als Medikament zur Verfügung stehen. Damit wir sie bei menschlichen Krebserkrankungen mit möglichst geringen Risiken einsetzen können, ist eine aufwendige Reinigung oder eine chemische Veränderung erforderlich.
Bei der Behandlung kombinieren wir oft mehrere Substanzen, entweder gleichzeitig oder in einer zeitlich genau festgelegten Reihenfolge. Hierfür liegt uns ein detaillierter Therapieplan vor.
Durch die Kombination können wir die tumorzerstörende Wirkung verstärken und die Nebenwirkungen reduzieren, weil die Medikamente in der Zelle einen unterschiedlichen Angriffspunkt haben.
Die Auswahl des Therapieschemas und der Substanzen ist dabei sehr komplex und richtet sich zunächst nach:

  • der Art des Tumors,
  • dem Sitz des Tumors,
  • dem genauen Typ der Gewebeuntersuchung (Histologie),
  • dem Grad der Ausbreitung,
  • dem Alter des Patienten sowie
  • dem Vorliegen von weiteren (Begleit-)Erkrankungen.

Entscheidend ist für uns das Ziel, das wir mit einer solchen Behandlung erreichen wollen. Wenn es um eine Heilung geht, sind der Einsatz und das Risiko der Therapie mit Sicherheit höher, als wenn es der Eindämmung der Erkrankung oder der Bekämpfung bzw. dem Vorbeugen von Komplikationen dient.
Planen wir eine zusätzlich Operation oder eine Bestrahlung, stimmen wir den  Zeitpunkt des Therapiebeginnes hiermit ab. In aller Regel können wir eine Therapie erst dann festlegen, wenn uns alle erforderlichen Daten vorliegen, um den Typ der Erkrankung und dem Grad der Ausbreitung (Stadium der Erkrankung) zu bestimmen.

Wie lange dauert eine Behandlung?

Die Dauer einer Behandlung kann unterschiedlich lang ausfallen. Bei einem Teil der Erkrankungen besteht ein fester Plan, bei dem wir genau festlegen können, nach wie vielen Zyklen wir die Therapie beenden.
In anderen Fällen ist das für uns nicht vorhersehbar. Die Behandlungsdauer richtet sich dann vor allem danach, ob und wie rasch sich ein Tumor zurückbildet und ob die Behandlung vertagen wird.
Im Allgemeinen kann eine Behandlungsdauer von wenigen Monaten bis zu Jahren reichen. Im Speziellen kann eine Therapie auch über ein Jahr andauern. Private Termine, ein Urlaub oder auch eine Kur können wir dabei fast immer mit einplanen. Bitte besprechen Sie solche Termine rechtzeitig mit uns.

Wo liegen die Grenzen bei der Krebsbehandlung?

Die Dosis einer Behandlung sowie die Therapiedauer hängen oft auch vom Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen und von der Wirksamkeit der Therapie ab. Wir kontrollieren die Funktion der Leber, Lunge und Niere sowie vom blutbildenden Knochenmark. Wenn diese Organe durch die Tumorerkrankung oder eine andere schwerwiegende Begleiterkrankung stark beeinträchtigt sind, können wir manchen Therapieformen nicht beginnen oder fortführen. In einigen Fällen können wir die Therapie jedoch nach einer Erholungszeit wieder aufnehmen.

Wie werden Zytostatika verabreicht?

Zytostatika können wir als Spritzen, als Infusionen und als Tabletten bzw. Kapseln verabreichen. Auch die direkte Gabe von Zytostatika in Körperhöhlen ist möglich. Zum Beispiel können wir einen Erguss des Rippenfelles oder auch die Wasserbildung im Bauch damit behandeln. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich bei einer medikamentösen Krebstherapie um eine systemische Therapie, das heißt eine Therapie, die im ganzen Körper wirkt und alle möglichen vorhandenen Tumorzellen treffen soll. Die chirurgische Behandlung und die Strahlentherapie sind im Gegensatz dazu lokal begrenzte Therapien. Um im gesamten Körper wirken zu können, wird das Medikament durch das Blut verteilt.
Die Therapie erfolgt nach einem Therapieplan, den wir für jeden Patienten und für jeden Therapiezyklus individuell festlegen. Viele Zytostatika wirken bei mehreren Krebsarten. Die Dosis, die Dauer der Therapie und die Kombination mit anderen Medikamenten sind aber meist verschieden. Zur Infusion verwenden wir venenschonende Verweilkanülen aus Plastik (Braunüle). Während der Infusion ist es dabei wichtig, den jeweiligen Arm möglichst ruhig zu halten, um ein Durchstechen der Vene zu vermeiden. Wenn es einmal an der Einstichstelle dick werden sollte, oder wenn es bei der Infusion anfängt zu brennen, sagen Sie bitte sofort Bescheid.

Was ist eine Immuntherapie?

Unter dem Begriff Immuntherapie versteht man ganz allgemein sowohl Therapien, die direkt das Immunsystem beeinflussen, als auch Therapien mit körperidentischen Stoffen des Immunsystems. Einige Krebserkrankungen sind mittels Immuntherapie sowohl vorbeugend, als auch bei manifestem Tumorleiden zu behandeln. Konkret umfasst dies die zielgerichtete Therapie z.B. bei Brustkrebs, Lymphomen, Darm- oder Nierenkrebs (Herceptin, Avastin, Er-bitux und Rituximab) oder die Therapie mittels Interferon. Eine solche Therapie ist grundsätzlich eine ambulante Therapie.
Zunehmend setzten wir monoklonale Antikörper ein, die sich gegen spezifische Strukturen auf Krebszellen richten. Wenn wir diese Strukturen auf den Krebszellen nachweisen, setzen wir diese Antikörper mit gutem Erfolg und einer sehr geringen Nebenwirkungsrate ein. Zudem behandeln wir Tumorleiden mit Antikörpern, die gegen Strukturen von B-Lymphozyten, sowie gegen besondere Zellstrukturen z.B. beim Mamma-, Kolon- und Lungenkarzinomen wirken.
Eine weitere wichtige Rolle spielt der Einsatz von Immunglobulinen, entweder als Ersatz für fehlende körpereigene Immunglobuline oder, weniger häufig, mit dem Ziel einer immunmodulierenden Wirkung bei manchen Autoimmunerkrankungen. Die immunmodulierende Wirkung nutzen wir auch beim Einsatz von hochdosierten Cortisonpräparaten. Dadurch möchten wir eine überschießende Immuntätigkeit des Körpers, die sich gegen den eigenen Körper richtet unterdrücken. Bei bösartigen Erkrankungen spielt dies eine besondere Rolle, beim Plasmozytom und bei malignen Lymphomen.

Was ist eine zielgerichtete Therapie?

Zielgerichtete Krebstherapie oder auch (engl.) targeted therapy: So nennt man die Behandlung mit Medikamenten, die gezielt in Vorgänge eingreifen, die für das Tumorwachstum wichtig sind. Inzwischen gibt es viele verschiedene dieser modernen Krebsmedikamente.
Ob eine solche Behandlung infrage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel

  • von der Tumorart, an der man erkrankt ist,
  • vom Krankheitsstadium
  • und von den biologischen Merkmalen (Genveränderungen oder Mutationen) der eigenen Krebszellen.

Die Wirkstoffe erhält man als Infusion oder Tablette, manche auch als Spritze unter die Haut. Bei einigen Betroffenen werden sie mit anderen Therapien kombiniert, zum Beispiel mit einer Chemotherapie.

Die meisten Patientinnen und Patienten können eine zielgerichtete Therapie ambulant oder zu Hause durchführen.

Zielgerichtete Medikamente können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen: Medikamente können dann schlechter wirken oder mehr Nebenwirkungen haben. Vor der Therapie sollte man deshalb mit seinen Ärzten besprechen, welche Medikamente man wie gewohnt weiter einnehmen kann und wo eventuell ein Umstieg auf ein anderes Präparat oder eine Einnahmepause ratsam wäre.

  • Ohne Rücksprache mit den behandelnden Ärzten sollten Sie weder Medikamente eigenmächtig absetzen, noch neue Präparate einnehmen. Das gilt auch für frei verkäufliche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel.

Auch Wechselwirkungen mit den Mahlzeiten sind möglich: Nahrungsmittel können beeinflussen, wie der Körper zielgerichtete Medikamente aufnimmt und verarbeitet. Davon hängt die Wirksamkeit ab.

  • Bei Tabletten sollten Sie sich genau an die Einnahme-Empfehlungen Ihres jeweiligen Medikaments halten. Informieren Sie sich, ob sie das Medikament vor, zu oder nach den Mahlzeiten einnehmen müssen.

Was ist eine Hormontherapie?

Manche Tumorarten, insbesondere Brustkrebs und Prostatakrebs, können wir durch natürliche Hormone stimulieren oder hemmen.
Dann führen wir eine Therapie mit Hormonen oder Antihormonen, entweder alleine oder in Kombination mit anderen Therapieverfahren durch. Hierbei sind Nebenwirkungen meist sehr milde, weil sich die Wirkung fast ausschließlich auf den Tumor beschränkt.